Fussweg auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz

Der Judensand

Jüdische Begräbnisstätten sind die wichtigsten und bedeutendsten Zeugnisse der Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland. In Mainz ist der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ mit nahezu 1.700 historischen Grabsteinen eine wichtige Komponente des seriellen Weltkulturerbes - zusammen mit den erhaltenen Stätten in Speyer und Worms.

Viele Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert und somit gilt der „Judensand“ in Mainz neben dem „Heiligen Sand“ in Worms als ältester jüdischer Friedhof Europas.

Gräber aus dem 15. bis 19. Jahrhundert

Das Friedhofsareal lag ursprünglich außerhalb der mittelalterlichen Stadt und erstreckte sich entlang der ehemaligen römischen Ausfallstraße, der heutigen Mombacher Straße. Es war der Begräbnisort für Jüdinnen und Juden aus Mainz und der näheren Umgebung.

Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde im 15. Jahrhundert konstituierte sie sich langsam wieder im 17. Jahrhundert. Auf dem verbliebenen unteren Teil des „Judensandes“ befinden sich heute Grabsteine aus der Zeit um 1700 bis zum Jahr 1880, als der Friedhof endgültig geschlossen wurde. Für Besucher und Besucherinnen ist nur dieser untere Teil des „Judensandes“ auf dem vorgegebenen Weg zugänglich.

Blick auf den Friedhof

Eine Gruppe historischer Grabsteine auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz
Alter Jüdischer Friedhof in Mainz
Alter Jüdischer Friedhof Mainz im Herbst
Alter Jüdischer Friedhof Mainz im Herbst
Alte Grabsteine auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz
Gräbermeer mit Steinen aus dem 17. - 19. Jahrhundert
Vier historische Grabsteine, im Vordergrund der Grabstein für Meschullam ben Kalonymos
Denkmalfriedhof Judensand, Ehrenreihe
Überlebensgroßer Grabstein aus Buntsandstein mit Voluten, gerahmtem Inschriftenfeld, Sockel und Fundament
Grabstein aus dem 19. Jahrhundert

Einzigartig: der Denkmalfriedhof

Mehrfach wurde im Lauf der wechselvollen Geschichte die ewige Ruhe der Toten gestört. Als die Mainzer jüdische Gemeinde 1438 vertrieben wurde, räumte die Bürgerschaft die mittelalterlichen Grabsteine und verwendete sie als Baumaterial.

Das Friedhofsgelände wurde vom Rat der Stadt als Weinberg verpachtet. Erst im 19. Jahrhundert kamen im Stadtgebiet viele dieser als Baumaterial verwendeten jüdischen Grabsteine in der Nähe des Gautors oder am Rheinufer wieder zufällig ans Tageslicht.

Die Mainzer Rabbiner Siegmund Salfeld und Sali Levi vereinten die wiedergefundenen Grabsteine auf dem oberen, nicht genutzten Teil des Friedhofareals zu einem so genannten Denkmalfriedhof, der 1926 eingeweiht wurde. Die Anordnung der Steine ist eher willkürlich und nicht – wie ursprünglich an diesem Ort üblich – nach Osten, nach Jerusalem, ausgerichtet
 

Obwohl die SchUM-Gemeinden am Rhein wiederholt Ziele von Gewalt und Vertreibungen waren, konnte das jüdische Erbe in diesen Städten als einzigartiges Zeugnis und lebendiger Bestandteil des aschkenasischen Judentums die Zeiten überdauern.

Der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ in Mainz ist seit Sommer 2021 Teil des UNESCO-Welterbes zusammen mit dem Wormser Friedhof „Heiliger Sand“ sowie den Synagogen und Mikwen in Speyer und Worms. Ausschlaggebende Kriterien für die Wahl als Welterbe waren die historische Echtheit („Authentizität“) und Unversehrtheit („Integrität“) der kulturellen Stätten.

Gräber der Gelehrten 

Viele Grab- und Gedenksteine auf dem Denkmalfriedhof wie die von Meschullam ben Rabbana’ Rabbi Kalonymos oder Jakob ben Jakar aus dem beginnenden 11. Jahrhundert haben noch heute für Juden und Jüdinnen aus aller Welt Relevanz. Der älteste jüdische Grabstein Mitteleuropas von Jehuda ben Schneor – heute im Landesmuseum – stammt aus dem Jahr 1049. Das Betreten des Denkmalfriedhofs ist nur aus religiösen Motiven gestattet.
 

Gerschom ben Jehuda – Vorbild bis heute

Unter den wiederentdeckten mittelalterlichen Fundstücken im Stadtgebiet befand sich der Gedenkstein von Gerschom ben Jehuda – bekannt als „Leuchte des Exils“. Er wirkte um die Jahrtausendwende als einer der einflussreichsten Gelehrten des Abendlandes in Mainz, dessen Rechtsauskünfte und Verordnungen noch Jahrhunderte nach seinem Tod ihre Gültigkeit behielten.

Obwohl die SchUM-Gemeinden am Rhein wiederholt Ziele von Gewalt und Vertreibungen waren, konnte das jüdische Erbe in diesen Städten als einzigartiges Zeugnis und lebendiger Bestandteil des aschkenasischen Judentums die Zeiten überdauern.

Auf dem Portal der Neuen Synagoge aus dem Jahr 2010 verweist die Aufschrift „MEOR HA GOLA“ („Leuchte des Exils“) auf die große Persönlichkeit Gerschom ben Jehuda. So knüpft die jüdische Gemeinde von heute an die einstige Bedeutung von Magenza vor 1000 Jahren an.