Grabstein für Meschullam ben Kalonymos auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz

Das UNESCO-Welterbe

Seit 1972 gibt es die Welterbekonvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Anlass war der Bau des Assuan-Staudamms in Ägypten: Damals drohten die Felsentempel von Abu Simbel für immer auf dem Grund des Stausees zu verschwinden. 1960 startete die UNESCO eine beispiellose internationale Kampagne, um die Tempel zu retten. Weltweit war das Bewusstsein für den Erhalt von Stätten mit außergewöhnlichem universellem Wert geweckt. Die Idee des Weltkultur- und Naturerbes war geboren.

Die ersten zwölf Stätten wurden 1978 in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen. Mittlerweile gibt es mehr als 1.100 Welterbestätten in 167 Ländern, darunter die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru und die Pyramiden von Gizeh in Ägypten. Verschiedene Kriterien beschreiben den außergewöhnlichen universellen Wert, der sie auf der Welt einzigartig macht. Unter anderem müssen sie unversehrt sein und ihre ursprüngliche Gestalt bewahrt haben.

Am 27. Juli 2021 hat die UNESCO das mittelalterliche jüdische Erbe der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz in die Welterbeliste aufgenommen.

www.schumstädte.de
www.unesco.de

Was ist eigentlich SchUM?

Die drei jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz bildeten im 11. Jahrhundert einen einzigartigen Gemeindeverbund, der die jüdische Welt bis heute prägt. Der Begriff SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei mittelalterlichen hebräischen Städtenamen:

Speyer | Schpira | ש | Schin [Sch]
Worms | Warmaisa | I | Waw [U]
Mainz | Magenza | מ | Mem [M]

In den drei Gemeinden am Rhein fanden Menschen jüdischen Glaubens für mehrere hundert Jahre eine Heimat in der Diaspora. In diesem Zusammenhang sprach man auch vom „Jerusalem am Rhein“. SchUM war die Wiege des aschkenasischen Judentums.

In den SchUM-Gemeinden wurde die Synagogenarchitektur neu gedacht. Erstmals wurden hier monumentale Ritualbäder errichtet. Es entwickelte sich hier eine neue Begräbniskultur und man pflegte eine bis heute prägende Gelehrsamkeit. Die mittelalterlichen SchUM-Stätten mit ihren Synagogen, Mikwen und Friedhöfen sind frühe und authentische Zeugnisse einer lebendigen Tradition des aschkenasischen Judentums.
 

Die drei SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz

Eine Gruppe historischer Grabsteine auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Mainz
Alter Jüdischer Friedhof in Mainz
Außenansicht der Synagoge Weisenau, erbaut 1737/38
Synagoge Weisenau, erbaut 1737/38
Innenansicht mit Fensteröffnungen der Mikwe in Speyer
Mikwe im Judenhof in Speyer
Historisches Gewölbe mit Treppenstufen in der Mikwe in Speyer
Mikwe im Judenhof in Speyer
Außenansicht der alten Synagoge in Worms
Synagogenhof in Worms
Synagoge in Worms
Alte Grabsteine im Sonnenlicht auf dem alten Jüdischen Friedhof in Worms
Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand" in Worms